Grabsteine aus dem Barock

Grabkultur auf dem Vareler Friedhof: Die Grabsteine aus dem Barock


Als Mitte des 19. Jahrhunderts, unter anderem aus Platzmangel, Beerdigungen auf dem damaligen Friedhof südlich der Schloßstraße nicht mehr möglich waren, entschloss man sich, einen neuen, größeren Friedhof ‚vor den Toren der Stadt‘, nämlich an der Oldenburger Straße, zu errichten. Man entschied, eine größere Anzahl von bedeutsamen Grabmälern mit an die Oldenburger Straße zu nehmen und entlang einer der Hauptachsen aufzustellen. Wenn wir an dieser ‚Allee der alten Steine‘ entlang gehen, wird dem aufmerksamen Betrachter bewusst, dass Friedhöfe und die darauf befindlichen Grabmale Zeugnisse des jeweiligen Zeitgeistes sind. Insofern sollte man “Grabstätten als Spiegel der Gesellschaft, in der sie entstanden sind, sehen.“1)

In dem Sinne beginnt der erste Teil unseres Wegs mit den so genannten ‚sprechenden‘ Steinen aus der Barockzeit, die etwa auf den Beginn des 17. Jahrhunderts bis Mitte des 18. Jahrhunderts datiert wird.

„Das barocke Grabmal ist im protestantischen Raum fest in den christlichen Glauben mit seiner Heils- und Auferstehungsgewissheit (Anm. des Verf., In Erwartung der „fröhlichen Auferstehung“) eingebunden.“

Barocke Grabsteine wurden beidseitig bearbeitet

Das Typische am barocken Grabstein ist, dass er beidseitig bearbeitet ist: auf der Vorderseite sind die wichtigsten Angaben zu den verstorbenen Personen, auf der Rückseite sind ausgewählte Bibel- bzw Grabsprüche eingemeißelt. Figürliche Darstellungen finden Raum im abschließenden oberen Bogen- oder Giebelfeld. Häufig finden wir an dieser Stelle eine Kreuzigungsszene, in die die hinterbliebene Familie als Oranten, d. h. als betende Figuren eingebunden ist.

„Die barocken Grabmäler spiegeln eine zeittypische Weltsicht wider, die die Vergänglichkeit aller Dinge in unzähligen Darstellungen beschwört und mit der Flüchtigkeit des menschlichen Lebens verbindet.“ (Anm. d. Verf., Vanitasgedanke) „Ein Totenschädel…, gekreuzte Knochen oder ein vollständiges Skelett zählen neben dem Stundenglas und der verlöschenden Fackel zu den verbreiteten „memento-mori-Motiven.“ (Anm. d. Verf., Erinnerung an die eigene Sterblichkeit)


„Die Trauer um den Tod einer geliebten Person, die im Klassizismus vorherrschendes Thema sein wird, war im Barock durch die Heils- und Auferstehungsgewissheit idealerweise gemildert. Schmerz und Trauer sind deshalb - mit Ausnahme der Inschriften - kaum Thema der figürlichen Darstellung.“

Quellenangabe:

  1. Dissertation: Grabmäler des 19. Jahrhunderts im Rheinland zwischen Identität, Anpassung und Individualität; Ulrike Evangelia Meyer -Woeller, Universität Bonn 1999, Vorwort

  1. Grabkultur in Deutschland – Geschichte der Grabmäler, Vogt-Werler/Werler, Reimer Verlag 2009, S. 68 - 71

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